Wortbildungsangaben als Hilfe für den Zugriff auf andere Datentypen und als Hilfe bei kommunikativen und kognitiven Informationsbedürfnissen

Henning Bergenholtz

Research output: Contribution to book/anthology/report/proceedingArticle in proceedingsResearchpeer-review

Abstract

"Grundsätzlich können unendlich umfangreiche Mengen" von Daten eingespeist werden, schreiben Ulrike Haß und Ulrich Schmitz in der Einleitung zum Themaheft "Lexikographie im Internet" (Lexicographica 26, 2010). Das ist zwar nicht korrekt, da man zwar enorm große Mengen in einer lexikographischen Datenbank erfassen kann, aber sicher nicht unendlich viele. Schwerwiegender ist jedoch der Denkfehler, der daher rührt, dass die beiden Herausgeber den Unterschied zwischen einer Datenbank und einem Wörterbuch nicht beachten: "Je mehr Informationen angeboten werden, desto schwerer wird es dem Nutzer, genau die zu finden, die er braucht." (Haß/Schmitz 2010, 4). Dies gilt nur dann, wenn auch Internetwörterbücher notwendigerweise polyfunktionale Wörterbücher sein sollen, die alle Daten von der lexikographischen Datenbank zeigen, wie es die meisten Papirwörterbücher tun. Entsprechend gilt, dass Bonusangaben eher unnütz sind ("Sind Wörterbücher ausschließlich dazu da, Fragen zu beantworten? Nein, sie sollten auch zu Fragen anregen, solange sie doch auch in irgendeinem Zusammenhang mit Bildung stehen." (Haß/Schmitz 2010, 10)). Man sollte grundsätzlich trennen zwischen der Datenbank und den daraus erstellten Wörterbüchern. Wenn man monofunktionale Wörterbücher konzipiert, verschwindet das Problem vom Informationstress nicht, kann aber größtenteils vermieden werden.
Dieses Problem stellt sich in besonderem Masse zu Wortbildungsangaben, die für einige Informationsbedürfnisse wichtig, für andere irrelevant sind, d.h. in einigen Wörterbüchern nützlich sind, in anderen nicht. Prinzipiell gilt, dass Wortbildungsangaben nicht mitgenommen werden sollen für Rezeptionswörterbücher. Auch für Produktionswörterbücher gilt, dass Angaben von allen möglichen Wortbildungen zum Informationsstress führen, dass man stattdessen eine geringe Anzahl der prototypischen Wortbildungen anführen soll (hierzu mehr im Vortrag). Schließlich können sehr reichhaltige Wortbildungsangaben und auch Wortbildungsregeln in vielen Fällen in einem kognitiven Wörterbuch nützlich sein, d.h. in einem Informationswerkzeug, das möglichst viel Wissen bieten will.
Wortbildungsdaten in der Datenbank können auch eine andere Funktion erfüllen, und zwar als Zugriffshilfe auf Daten in anderen Wörterbuchartikeln, wenn eine bestimmte Wortbildung nicht lemmatisiert ist.
Die morphologischen theoretischen Überlegungen, die metalexikographischen zu monofunktionalen Informationswerkzeugen, sowie Prinzipien des Zugriffs auf Daten mithilfe von Wortbildungsdaten einer Datenbank werden anhand einer Datenbank vorgestellt, aus der insgesamt sechs Wörterbücher herausgezogen werden.
Original languageGerman
Title of host publicationWortbildung im elektronischen Wörterbuch
EditorsAnnette Klosa
Number of pages24
Place of publicationTübingen
PublisherNarr Francke Attempto Verlag
Publication date2013
Pages133-156
ISBN (Print)978-3-8233-6737-6
Publication statusPublished - 2013
EventInternationales Kolloquium "Wortbildung im elektronischen Wörterbuch" - Institut für Deutsche Sprache, Mannheim, Germany
Duration: 26 May 201127 May 2011

Conference

ConferenceInternationales Kolloquium "Wortbildung im elektronischen Wörterbuch"
LocationInstitut für Deutsche Sprache
Country/TerritoryGermany
CityMannheim
Period26/05/201127/05/2011
SeriesStudien zur Deutschen Sprache
Volume63
ISSN0949-409X

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